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Volkswagen – der implodierte Nachhaltigkeitsweltmeister


Am 11.09.2015 gab es im Hause Volkswagen noch Grund zum Jubeln: VW hatte die Spitzenposition im Dow Jones Sustainability Index erobert und feierte sich daher auf seinem Presseportal als „nachhaltigster Automobilkonzern der Welt“. Volkswagen hatte sich in den Augen der maßgeblichen Experten insbesondere in den Feldern Verhaltensgrundsätze, Compliance und Anti-Korruption sowie Innovationsmanagement, Klimastrategie und Lebenszyklusanalyse ausgezeichnet. Martin Winterkorn, der damalige Vorstandsvorsitzende hob hervor, dass dies „ein großer Erfolg der ganzen Mannschaft“ sei.

Exakt eine Woche später, am 18.09.2015, richtete die US-Umweltbehörde EPA ihre erste Notice of Violation wegen manipulierter Dieselabgaswerte an Volkswagen. Und was danach geschah, ist weithin bekannt: Der Börsenwert der Volkswagen AG stürzte ab, Winterkorn wurde abgelöst, beinahe täglich gibt es neue Hiobsbotschaften, ein Ende der Tragödie ist nicht abzusehen. Der Schritt zur weltweiten Nummer 1 der Automobilhersteller geriet zu einem tiefen Fall.

„Grundlage für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg ist rechtmäßiges Handeln“. So werden die auf 24 Seiten ausgebreiteten Verhaltensgrundsätze des Volkswagen Konzerns auf der „Compliance“-Seite der VW Homepage eingeführt

Die Verhaltensgrundsätze sollen Orientierung schaffen und „somit richtiges Verhalten aller Mitarbeiter im Geschäftsalltag“ sicherstellen, wenngleich „das Risiko von individuellem Fehlverhalten nie gänzlich auszuschließen sein wird“. Dieses Risiko wird hoch gewichtet, denn „Unangemessenes Verhalten auch nur eines Mitarbeiters kann dem Unternehmen bereits erheblichen Schaden zufügen“.

Am 08.11.2015 meldete die Presse, der Aufsichtsrat mache bei der Aufarbeitung der Katastrophe jetzt „Jagd auf die Schuldigen“, auf Führungskräfte, „Ebenen Bereichsleiter, Hauptabteilungsleiter und Vorstand. Vielleicht noch Abteilungsleiter.“
„Normale“ Mitarbeiter, Programmierer, etc., „die nur Anweisungen ausgeführt haben“, hätten dagegen nichts zu befürchten. Damit ist auch Martin Winterkorn wieder im Visier. Dem wird nun zugeschrieben, die VW-Ingenieure hätten aus Angst vor ihm manipuliert, getrickst und betrogen. Die Umsetzung seiner Vorgaben sei mit legalen Mitteln nicht möglich gewesen, aber niemand habe sich getraut, ihm das zu sagen. Unter Winterkorn habe eine „Kultur der Angst“ geherrscht.

Eine jahrelange Praxis von systematischem, existenzgefährdendem Betrug also, bei einem deutschen Unternehmen von Weltrang, als Frucht einer „Kultur der Angst“ , alles wohl verborgen hinter einer Fassade von Compliance, Code of Conduct, Corporate Governance, Risk Management und ethisch geadelter Nachhaltigkeit! Manche sogenannten Insiderkommentare dieser Tage wollen uns nahebringen, so seien eben die Spielregeln im Wettbewerb an der Weltspitze. Man dürfe sich nur nicht erwischen lassen.

Wir wollen dagegen den Chef eines anderen führenden Automobilbauers hören und ihn beim Wort nehmen. Harald Krüger, seit Mai 2015 Vorstandsvorsitzender der BMW AG, behauptet „Bei der BMW Group wird nicht manipuliert“ und erklärt, was zu tun ist, wenn eine Zielvorgabe nicht erreichbar scheint. „Der Mitarbeiter muss dann das Herz und den Verstand haben, zu sagen: Wir können das gesetzte Ziel unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht erfüllen. Wir müssen eine Kultur sicherstellen, die diese Ehrlichkeit zulässt. Man muss das vorleben.“ Man habe dazu bei BMW „klare Richtlinien und auch eine entsprechende Compliance-Organisation. Das Wichtigste dabei aber sind die Führung und die Führungskultur. Für mich sind Ehrlichkeit, Offenheit, Transparenz und Vertrauen fundamentale Werte. Widerspruch gehört dazu“.

Wir von Human Factor Excellence teilen die Aussagen Harald Krügers uneingeschränkt und unterstützen Sie gern dabei, eine solche Führung und Führungskultur in Ihrem Unternehmen nachhaltig zu realisieren.